Ähnlich wie in Irmgarteichen treffen sich seit den 30er Jahren traditionsgemäß die Junggesellen aus Hainchen, welche als Burschenschaft bekannt ist, am „dritten Weihnachtsfeiertag“ um die von ihnen im Dezember gedichteten Artikel über die Missgeschicke und Peinlichkeiten der Bewohner Hainchens und der umliegenden Dörfer vorzutragen. Dieses Jahr verschob die Burschenschaft dies auf Grund eines Trauerfalls jedoch auf den 28. Dezember. 12 Junggesellen versammelten sich vorgestern um die Dorfzeitung „Parole Neujahr“, in der dieses Jahr die 14 neuen Artikel und ein „Classic Artikel“ abgedruckt wurden, anzupreisen und zu verkaufen. Ab 10 Uhr liefen sie gemeinsam mit Bollerwagen und Megafon durch das Dorf und trugen die Artikel an wichtigen Knotenpunkten des Dorfes und vor der Haustür des jeweils Betroffenen vor. Nach einer Stärkung im Bürgerhaus teilten sich in Gruppen zu je zwei Mann auf um von Haus zu Haus zu ziehen und die Dorfzeitung zu verkaufen. Ein besonderes Augenmerk galt auch dieses Jahr wieder den Bewohnern Irmgarteichens. Fast schon traditionsgemäß wurde über das Osterfeuer des Nachbardorfs geschrieben, welches dieses Jahr zum ersten Mal kein Dreibein, d.h. eine Konstruktion aus drei Pfosten, war: „In Hainchen achten wir noch sehr auf Tradition, in Irmgarteichen gibt es nur noch blanken Hohn, schon immer baut man das Osterfeuer als Dreibein, so soll es auch in Zukunft sein“. Auch umzugsbedingte „Überläufer“ aus Irmgarteichen wurden Thematisiert: „Zwei junge Pärchen [aus Irmgarteichen] haben die alte Heimat aufgegeben, um endlich im schönen Hainchen zu leben. Trotz der Herkunft sind sie uns sehr willkommen, der Großteil der Nachbarschaft hat sie herzlichen aufgenommen.“ Aber es gab nicht nur lustige Geschichten aus den Nachbardorf, auch die Bewohner Hainchens haben sich so einige „Dämlichkeiten“ geleistet: Nach einer ausgiebigen Feier „hat eine Häner Gruppe der Hunger überkommen“, sie fuhren mit einem Taxi zur nächstgelegenen Fast-Food-Kette und besorgten sich etwas zu essen. Nach der Stärkung verkündete ihnen der wartende Taxifahrer, dass er ihnen die Wartezeit mit berechnen würde. Die Hainchener Jungen waren damit nicht einverstanden und so fuhren sie gemeinsam zur Polizei um den Vorfall zu klären. Einem der Jungen überkam dort angekommen die Panik: „Er schrie: ‚Lebend bekommt ihr mich nie.’ Und flüchtete zu Fuß in die Prärie. Der Bursche dachte sich, ich mache noch mein Handy aus, dann bekommt selbst die NSA meinen Standort nicht heraus!“ Nach einigen Stunden der Suche wurde der Junge jedoch von seinem Bruder wieder gefunden. Andere Artikel handelten von heimlichen Trinkereien, Diebstählen, Autounfällen oder von heimlichen Bordellbesuchen, welche im Nachhinein von der Mutter bezahlt werden mussten. Traditionell kehrten alle nach getaner Arbeit im Bürgerhaus ein, wozu auch die Hainchener Mädchen und ehemalige Burschenschaftler eingeladen wurden.

Parole Neujahr in Hainchen: Betrunken auf der Flucht