Irmgarteichen. Die Zahlen sind beeindruckend: 8000 Hektar Wald wurden vernichtet, 40 Millionen Mark Sachschaden waren zu verkraften. Trotzdem: Die Waldbrandkatastrophe, die vor 40 Jahren Teile der Lüneburger Heide vernichtet hat, ist außerhalb der betroffenen kaum in der Erinnerung präsent. Anders bei zwei Siegerländern, die 1975 als Bundeswehrsoldaten bei den Löscharbeiten dabei waren: Gunter Schelges aus Kreuztal und Heinrich Bruch aus Irmgarteichen.

„Wie vom Himmel gefallen“ sei das Feuer, erinnert sich Heinrich Bruch an den Ausspruch eines Bauern aus der kleinen Ortschaft Habighorst. Seit Mitte Mai 1975 hatte es keine nennenswerten Niederschläge mehr gegeben. Die starke tägliche Verdunstung sowie die vorherrschenden Winde aus östlichen Richtungen kennzeichneten seit Wochen die Wetterlage. Kenner hatten lange schon auf diese brandgefährliche Lage hingewiesen. Die Feuerwehren waren schon vorgewarnt, als sich vom 8. bis 12. August fünf Flächenbrände zu Großbränden entwickelten, die zeitweise kaum zu stoppen waren. Bis zum Donnerstag, 14. August, verstärkte sich die Zahl der Helfer von Feuerwehr, Bundeswehr, DRK und Technischem Hilfswerk auf mehr als 13 000.
Panzergrenadiere in Northeim

Das Panzergrenadierbataillon 13 aus Northeim wurde am Montag, 11. August, in Alarm versetzt. Hier waren auch viele Wehrpflichtige aus dem Siegerland stationiert, unter ihnen Gunter Schelges und Heinrich Bruch. „Schon 50 Kilometer vor dem Einsatzgebiet war eine hellrote Feuerwand zu sehen“, erinnert sich Bruch, der damals 19 Jahre alt war. In dem kleinen Ort Habighorst wurden 150 Panzergrenadiere auf einem Wiesengelände für eine Woche untergebracht. „Zelte wurden nur wenige aufgestellt. Der Schlafsack wurde zur Nachtruhe einfach am Gartenzaun ausgebreitet.“ Der Einsatz forderte alle Kraft. Bodentrupps durchkämmten große Kiefernwälder. „Ab und zu hielten wir die Hände in den Wasserstrahl, der aus den wenigen Schläuchen hervorschoss. Das linderte für Bruchteile von Sekunden. Wo es noch glomm, loderte es von einer Stunde zur anderen erneut auf. Hilfe kam auch von oben. Hubschrauber flogen über endlose schwarze, verbrannte Wälder.“

Die rauchgeschwärzten Soldaten sahen sich nach einer Woche der Hilfeleistung in einem Hallenbad wieder. „Die Erfrischung tat allen gut. Die Rückfahrt nach Northeim dauerte nochmals viele Stunden. Die Gedanken an die großen Feuer kamen immer wieder, die Erschöpfung war bei allen noch zu spüren. Viele trugen noch Brandwunden davon, die erst später heilen konnten.“
Gedenkmedaille zur Erinnerung

Der Lohn für den Einsatz war ein zweitägiger Sonderurlaub. Zwei Jahre später bekam Bruch die Gedenkmedaille, die der niedersächsische Ministerpräsident „zur Erinnerung an die Hilfeleistung bei der Waldbrandkatastrophe“ verlieh. Der Imgarteichener bewahrt sie bis heute auf, ebenso natürlich die damit verbundene Besitzurkunde. Und die Erinnerung an das Inferno in der Heide.

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Vor 40 Jahren: Siegerländer erleben das Inferno in der Heide