Am gestrigen 3. Weihnachtstag haben sich die Junggesellen aus Hainchen getroffen, um ihre zuvor geschriebenen Geschichten vorzutragen und im Ortsteil zu vertreiben. In den letzten zweieinhalb Monaten des Jahres schrieben die Junggesellen 8 Geschichten und trugen diese in der Dorfzeitung „Parole Neujahr“ zusammen, welche dieses Jahr neu gestaltet wurde. Die Artikel, handeln von Missgeschicken und Peinlichkeiten der Bewohner oder Besucher von Hainchen, welche oft leicht überspitzt dargestellt sind. Die Einnahmen aus dem Verkauf der Zeitung werden zum Teil für einen guten Zweck gespendet.

Seinen Ursprung hat diese Tradition schon vor dem 2. Weltkrieg, wurde jedoch während des Krieges nicht mehr weiter geführt. In den 50er Jahren gab es noch große Festzüge auf denen die Peinlichkeiten leicht überspitzt nachgespielt wurden. Am Abend kehrte man dann in eine Kneipe ein um dort den Abend mit etwas Tanz ausklingen zu lassen. Heute werden die Artikel von einem Traktoranhänger mit selbstgebautem Dach vor den Häusern der Betroffenen vorgetragen. Anschließend laufen die Junggesellen in kleinen Gruppen durchs Dorf um die Dorfzeitung gegen eine kleine Spende zu verteilen. Nach getaner Arbeit kehren sie wieder ins Bürgerhaus ein um den Abend gemütlich zu feiern.

Eine der acht Geschichten erhielt die Überschrift „Biene Maja im Drogenrausch“, sie handelt von einem Imker aus Hainchen, der seine Bienen mit Chemikalien fütterte um eine größeres „Bienenteam“ zu erhalten. Jedoch war dies nicht förderlich für die Qualität des Honigs und die Gesundheit seiner Kunden, worauf das Fernsehen und die Bild-Zeitung darüber berichteten.  „Eigentlich möchten wir im oberen Johannland in Harmonie miteinander leben, doch es muss ja auch noch Irmgarteichener geben.“ So heißt es in einer weiteren Geschichte, die von dem ewigen Kleinkrieg zwischen der Burschenschaft Hainchen und den Irmgarteicher Junggesellen herrscht.

Eine weitere Geschichte handelt darum, dass die mit Mühe hergestellten Holz-Dilldappen in Hainchen und Umgebung gestohlen oder beschädigt werden. Seit 2006 schmücken sie den sogenannten Dilldappenweg und sind nun wohl leider vom Aussterben bedroht. Die Burschenschaft bittet darum: „Bringt ihn zurück und zwar als ganzes Stück!“

Als Abschluss der Zeitung hat sich die Burschenschaft Hainchen dieses Jahr das sogenannte „Hainchenrätsel“ einfallen lassen, dies beinhaltet 10 Fragen über Hainchen. Der Gewinner dieses Rätsels erhält auf der nächsten Osternight (alljährliche Abendveranstaltung am Ostersonntag) in Hainchen alle 15 Minuten ein Freigetränk.

Text und Bild: Christian und Jessica Reuter (www.irmgarteichen.net)
In modifizierter Form veröffentlicht in der Siegener Zeitung am 28.12.2010

Von geklauten Dilldappen und chemischem Honig