Der lange Winter mit Frost und Schnee ist vorbei. Im Siegerland warten die Gartenfreunde auf wärmere und trockene Tage. Jetzt ist die richtige Zeit für Schnittmaßnahmen. Nur wenn die Bäume in den ersten Jahren in die richtige Form gebracht und in den Folgejahren regelmäßig durch Rückschnitt gepflegt werden, stimmt der Ertrag. Durch den Schnitt wird verhindert, dass der Baum zu viele steilstehende Triebe und Äste entwickelt und zu dichte Kronen entstehen. Nicht geschnittene Obstbäume tragen zudem recht unregelmäßig. Hinzu kommt, dass in nicht geschnittenen Kronen die Früchte klein bleiben, wegen des Schattens wenig Farbe bekommen und säuerlich schmecken. Außerdem werden unbehandelte, zu dichte Baumkronen stärker von Pilzkrankheiten befallen als licht gehaltene. Grund : Die Blätter bleiben nach Regenfällen länger feucht.

In jedem Fall müssen alle kranken und abgestorbenen Triebe entfernt werden. Sie sind bis ins gesunde Holz zurückzuschneiden.

Obstbaumschnitt ist also auch vorbeugender Pflanzenschutz.

Schnittwerkzeuge:

Zunächst wird das richtige Werkzeug benötigt. Eine einschneidige Leichtmetall-schere, eine Bügelsäge mit verstellbarem Blatt und ein Messer mit gebogener Klinge gehören dazu. Beim Obstbaumschnitt zählt die Praxis. Buchwissen ist zwar hilfreich, doch sollte man einen Kurs bei Gartenbauvereinen oder der Volkshochschule belegen.

Zur eigenen Sicherheit sollte auch immer in der Gruppe mit 3-4 Personen geschnitten werden, das macht Spaß und der Lernerfolg ist größer.

Als Grundsatz gilt: Stark wachsende Bäume schwach schneiden, schwach wachsende Bäume stark schneiden!

Mit dem Pflanzschnitt geht es los. Zur Förderung eines straffen Kronenaufbaues wählt man beim Kernobst drei Leittriebe und einen Mitteltrieb aus. Die sonst noch vorhandenen Triebe, vor allem der Konkurrenztrieb, werden ganz entfernt. Beim Pflanzschnitt werden häufig Fehler gemacht. Meistens bleiben zu viele Triebe stehen oder werden zu lang gelassen. Häufig wird auch der Mitteltrieb zu hoch über den Leitästen eingekürzt. Im allgemeinen gilt: Je kürzer die Leittriebe beim Pflanzschnitt zurückgenommen werden, desto stärker ist der Austrieb. Der Rückschnitt soll das Dickenwachstum der Äste fördern. Geschnitten wird immer über einer nach außen gerichteten Knospe. Durch den Rückschnitt eines Triebes werden die Seitenknospen gezwungen auszutreiben. Die Leitäste sollen einen Winkel von etwa 45 Grad nach oben vom Stamm zeigen.

Schnitt nach dem ersten und zweiten Standjahr:

Der Schnitt der Kronen nach dem ersten Standjahr richtet sich hauptsächlich nach dem erfolgten Austrieb. Zuerst werden die Konkurrenztriebe auf Astring entfernt. Eventuell auch sonstige, starke, nach innen wachsende Triebe. Beim Rückschnitt der Leitastverlängerungen zuerst wieder darauf achten, dass die Knospen am Schnitt nach außen stehen. Sodann müssen die Schnittstellen auf einer Höhe sein. Alle übrigen Triebe werden nicht zurückgeschnitten. Nachdem die Bäume im zweiten Standjahr nun ein größeres Wurzelsystem entwickelt haben, erfolgt der Austrieb auch dementsprechend stärker.
Der Rückschnitt wird nach dem selben System vorgenommen wie nach dem 1. Standjahr. Man wird allerdings einige Triebe mehr entfernen müssen, die nach innen wachsen und somit die Krone stark verdichten.

Überwachungsschnitt:

Etwa nach dem sechsten Standjahr dürfte der Grundaufbau der Krone bei freistehenden Büschen, Halb- oder auch Hochstämmen abgeschlossen sein. Es kann jetzt der Überwachungsschnitt beginnen. Zunächst entfernt man das mehr als dreijährige, stark nach unten hängende Fruchtholz. Man schneidet die Fruchtäste auf ein nach oben oder schräg nach außen stehenden Reiter zurück. Im oberen Kronenteil beseitigt man alle zu dicht stehende Triebe. Die Krone muss nach dem Schnitt locker und licht aufgebaut sein. Die Leitastverlängerungen kürzt man jetzt nicht mehr ein.

Schnitt am Steinobst:

Für den Pflanzschnitt und den Aufbau der Krone gelten die gleichen Regeln wie beim Kernobst. Im Gegensatz zu Apfel- und Birne können beim Steinobst jedoch mehr als drei Leitäste angeschnitten werden. Bei Zwetsche, Pflaume, Mirabelle und Reneklode kann man vier Leitäste aufbauen. Nach der Entfernung der Konkurrenztriebe und zu dicht stehender Langtriebe werden die Leitastverlängerungen und die übrigen stärkeren Seitentriebe zweiter und dritter Ordnung eingekürzt.

Schnitt an Beerensträuchern:

Beerensträucher sind häufig die fleißigsten Obstlieferanten in unseren Hausgärten. Qualität und Menge lässt sich durch sachgemäßen Schnitt steigern. Pflanzschnitt Johannisbeere: Frisch gesetzte Sträucher müssen zur Förderung des Austriebs unbedingt geschnitten werden. Man lässt dem Strauch rund fünf bis sieben starke Triebe und kürzt sie um die Hälfte ein.

Schnitt von Himbeeren: Beim Pflanzschnitt werden die Ruten bis 40-50 cm über dem Boden zurückgeschnitten. Dadurch wird das Anwachsen gefördert und der Austrieb der Knospen aus der Wurzelzone angeregt.

Neue Erkenntnisse:

Der Wundverschluss hat nicht mehr die Bedeutung wie vor einigen Jahren. Je nach Art der Schäden, der Pflanzenart sowie der Jahreszeit kann auf eine Wundbehandlung verzichtet werden. Bei Winterverletzungen ( Abriss ) und Schnittmaßnahmen ab November ist der Wundverschluss noch immer erforderlich, da zu diesem Zeitpunkt der Vegetationsruhe durch den Baum keine Abwehrmaßnahmen gebildet werden können. Auch dem Sommerschnitt kommt immer mehr Bedeutung zu. (das wird von der Arbeitsgruppe in Irmgarteichen ca. Ende Juli bis Mitte August gezeigt und durchgeführt.)


Bekannte Sorten wie – Hauszwetsche, Rote Sternrenette und Schöner aus Nordhausen wurden in der Streuobstwiese geschnitten. Die Krone soll nach dem Schnitt locker und licht aufgebaut sein. Später kann noch eine Düngung erfolgen.

Text und Foto: Heinrich Bruch

Obstbaumschnitt in Garten und Landschaft