Et is scho emmer so gewäse, um Drette Krestach wird vergeläse


Die „Hermedeicher Jonge“ machten sich am Samstag auf den Weg durch den Ort, um ihre „Paragraphen“ vorzutragen.

Jährlich am Tag nach Weihnachten, dem sogenannten „Drette Krestach“ treffen sich die Junggesellen aus Irmgarteichen, um singend, erzählend und reimend durch den Ort zu laufen und die diesjährigen „Paragraphen“: Geschichten, Missgeschicke und Peinlichkeiten der Dorfbewohner in gereimter Form zu erzählen. Wer am vergangenen Samstag den Spruch „Et is scho emmer so gewäse, um Drette Krestach wird vorgeläse, Schlachzeile on weldhistorische, Ereichnisse im Johr 2003“ vernommen hat, konnte sicher sein, die Hermedeicher Jonge getroffen zu haben. Diese teilten sich in mehrere Gruppen auf: Die einen trugen die Paragraphen an wichtigen Knotenpunkten (manchmal auch vor der Haustür der betroffenen Person) mithilfe eines Megafons vor. Einige andere (ums genau zu sagen: drei 2er-Teams) verteilen die „Paragraphen“ im Ort, sammeln währenddessen Geld oder auch Wurst als Belohnung, die dann am Abend mit Kartoffelpüree und Sauerkraut verspeist wurde. Gleichzeitig schenken sie einen Schnaps aus – als Zeichen der Dankbarkeit. Im Verlauf des Tages wurde so – traditionsgemäß – die Kehle ordentlich gehöhlt.

Den Ursprung hat dieses Fest vor mehr als 50 Jahren: Damals, als fast jeder Ortsbewohner noch selbst schlachtete, wurden am Tag nach Weihnachten zum „Drette Krestach“ in „Hermedeiche“ vermehrt Würste gesammelt, die dann abends gemeinschaftlich verspeist wurden. Da die Zeit heute jedoch eine andere ist und viele Dorfbewohner die alte Tradition nicht mehr kennen, ist man auch mit Geld zufrieden, womit dann Wurst gekauft werden kann.
Ings. 11 „Schlachzeile on weldhistorische Ereichnisse“ der vergangen Monate wurden aufgeführt: Beispielsweise wurde ein Richtfest gefeiert, bei dem schon um halb neun Bier und Nahrung aus gingen. Die Nachbarn kauften kurzerhand selbst ein und feierten in der Nachbarschaft weiter. Und die Moral von der Geschicht: „Wer einlädt zum Essen und zum Saufen, der sollte auch dran denken vorher einzukaufen“.
Außerdem spielte der „Abbau West“ eine wichtige Rolle, da die Telefonzelle gegen ein Nottelefon ausgetauscht wurde. Die Moral: „Telefonieren bei Wind und Wetter, früher gefiel uns das ‚very much better‘ (engl. = viel besser)“.
Die von Dorfbewohnern selbst renovierte Grillhütte wurde gelobt, ein Terrorist in Hermedeiche gemahnt oder „2003 – das Jahr der Wetterextreme“ bezeichnet.

Am Schluss ihres Paragraphen-Blattes bedankten sich die Junggesellen bei Klaus Irle, der ihr traditionelles Treiben am „Drette Krestach“ mit 50 l Freibier unterstützt. Auch Büdenbender Hausbau wurde für den ehrenamtlichen Druck des Werkes gedankt.

Ausklang war abends in Leys, zu dem auch die Mädchen eingeladen waren, um sich mit den Junggesellen zu vergnügen. Diese Tradition beweist auch ein alter Vers, der jedes Jahr mit abgedruckt wird: „Brengt Geld on vell goore Worscht herbie, on och ouw scherne on lewe Wieweslie. Da sin mer zerfrerre on os deret reiche, dät sin die Jonge fuu on zoo Hermedeiche!

Foto: Christa Reuter
Text: Christian Reuter

Drette Krestach 2003: Peinlichkeiten mit Moral, Dorfzeitung und Jahresrückblick