Arbeitsgruppe beim Obstbaumschnitt

Auch Hochstämme in der Streuobstwiese brauchen Pflege.

Die Arbeitsgruppe „ Grüngestaltung im Ort“ hat den Obstbaumschnitt in der Streuobstwiese durchgeführt.

Das Foto zeigt die Arbeitsgruppe. Unter Leitung von Heinrich Bruch sind die Schnittmaßnahmen durchgeführt worden.
 

Nur wenn die Bäume in den ersten Jahren in die richtige Form gebracht und in den Folgejahren regelmäßig durch Rückschnitt gepflegt werden, stimmt der Ertrag.

Warum Schneiden ?

Durch den Schnitt wird verhindert, dass der Baum zu viele steilstehende Triebe und Äste entwickelt und zu dichte Kronen entstehen. Nicht geschnittene Obstbäume tragen zudem recht unregelmäßig. In einem Jahr gibt es eine Massenernte, in dem darauf folgendem dagegen vielfach überhaupt nichts. Hinzu kommt, dass in nicht geschnittenen Kronen die Früchte klein bleiben, wegen des Schattens wenig Farbe bekommen und säuerlich schmecken. Außerdem werden unbehandelte, zu dichte Baumkronen stärker von Pilzkrankheiten befallen als licht gehaltene. Grund : Die Blätter bleiben nach Regenfällen länger feucht. Obstbaumschnitt ist also auch vorbeugender Pflanzenschutz.

Schnittwerkzeuge:

Zunächst wird das richtige Werkzeug benötigt. Eine einschneidige Leichtmetallschere, eine Bügelsäge mit verstellbarem Blatt und ein Messer mit gebogener Klinge gehören dazu. Beim Obstbaumschnitt zählt die Praxis. Buchwissen ist zwar hilfreich, doch sollte man einen Kurs bei Gartenbauvereinen oder der Volkshochschule belegen. Zur eigenen Sicherheit sollte auch immer in der Gruppe mit 3-4 Personen geschnitten werden, das macht Spaß und der Lernerfolg ist größer. Fachkundige Anleitung und Tipps gab Heinrich Bruch.

Als Grundsatz gilt: Stark wachsende Bäume schwach schneiden, schwach wachsende Bäume stark schneiden!

Mit dem Pflanzschnitt geht es los. Zur Förderung eines straffen Kronenaufbaues wählt man beim Kernobst drei Leittriebe und einen Mitteltrieb aus. Die sonst noch vorhandenen Triebe, vor allem der Konkurrenztrieb, werden ganz entfernt. Beim Pflanzschnitt werden häufig Fehler gemacht. Meistens bleiben zu viele Triebe stehen oder werden zu lang gelassen. Häufig wird auch der Mitteltrieb zu hoch über den Leitästen eingekürzt. Im allgemeinen gilt : Je kürzer die Leittriebe beim Pflanzschnitt zurückgenommen werden, desto stärker ist der Austrieb. Der Rückschnitt soll das Dickenwachstum der Äste fördern. Geschnitten wird immer über einer nach außen gerichteten Knospe. Durch den Rückschnitt eines Triebes werden die Seitenknospen gezwungen auszutreiben. Die Leitäste sollen einen Winkel von etwa 45 Grad nach oben vom Stamm zeigen.

Schnitt nach dem ersten und zweiten Standjahr:

Der Schnitt der Kronen nach dem ersten Standjahr richtet sich hauptsächlich nach dem erfolgten Austrieb. Zuerst werden die Konkurrenztriebe auf Astring entfernt. Eventuell auch sonstige, starke, nach innen wachsende Triebe. Beim Rückschnitt der Leitastverlängerungen zuerst wieder darauf achten, dass die Knospen am Schnitt nach außen stehen. Sodann müssen die Schnittstellen auf einer Höhe sein. Alle übrigen Triebe werden nicht zurückgeschnitten. Nachdem die Bäume im zweiten Standjahr nun ein größeres Wurzelsystem entwickelt haben, erfolgt der Austrieb auch dementsprechend stärker. Der Rückschnitt wird nach dem selben System vorgenommen wie nach dem 1. Standjahr. Man wird allerdings einige Triebe mehr entfernen müssen, die nach innen wachsen und somit die Krone stark verdichten.

Überwachungsschnitt:

Etwa nach dem sechsten Standjahr dürfte der Grundaufbau der Krone bei freistehenden Büschen, Halb- oder auch Hochstämmen abgeschlossen sein. Es kann jetzt der Überwachungsschnitt beginnen. Zunächst entfernt man das mehr als dreijährige, stark nach unten hängende Fruchtholz. Man schneidet die Fruchtäste auf ein nach oben oder schräg nach außen stehenden Reiter zurück. Im oberen Kronenteil beseitigt man alle zu dicht stehende Triebe. Die Krone muss nach dem Schnitt locker und licht aufgebaut sein. Die Leitastverlängerungen kürzt man jetzt nicht mehr ein.

Neue Erkenntnisse:

Der Wundverschluss hat nicht mehr die Bedeutung wie vor einigen Jahren. Je nach Art der Schäden, der Pflanzenart sowie der Jahreszeit kann auf eine Wundbehandlung verzichtet werden. Bei Winterverletzungen und Schnittmaßnahmen ab November ist der Wundverschluss noch immer erforderlich, da zu diesem Zeitpunkt der Vegetationsruhe durch den Baum keine Abwehrmaßnahmen gebildet werden können.

 

Text: Heinrich Bruch
Bild: Michael Bruch

Auch Hochstämme in der Streuobstwiese brauchen Pflege