In eine Tiefe von 15 Meter führt der Brunnen unter dem Gasthof Ley. 350 Jahre nach seinem Bau ließ sich jetzt erstmals wieder ein Mensch bis auf den Grund abseilen: der Feuerwehrmann Armin Boer.

Brunnen im Gasthof Ley

Immer wieder gibt es neue Überraschungen beim Wiederaufbau des am 27. April letzten Jahres abgebrannten Gasthofs. „Dass sich unter der Gaststube auch ein alter Brunnen befindet, das wussten wir", sagte in der Nacht zum Dienstag Gastwirt Günter Büdenbender. Ein Irrtum war allerdings die Annahme, dass es unter dem Bierkeller, wo der Brunnen zugemauert worden war, nicht mehr allzu viel zu sehen gab. Denn am Diensttagnachmittag hatten einige Helfer ein Loch in eine Wand des Bierkellers geschlagen und die Eisenplatte entfernt. Hierbei entdeckten sie, dass der Brunnen weiter nach unten ging.

Feuerwehr pumpte den Brunnen leer

Wie weit, erschloss sich auf Anhieb nicht. Denn der Brunnen war mit glasklarem Wasser gefüllt. Gegen 18 Uhr kam die Feuerwehr Irmgarteichen mit einer Pumpe zur Hilfe und versuchte, das Grundwasser abzupumpen. Mit einer Hochleistungspumpe arbeiteten die Wehrleute sich auf den Boden vor: Nicht 7,50 Meter tief, wie immer angenommen, sondern 15 Meter tief ist der Brunnen, der vor 350 Jahren angelegt wurde. Nachdem alles Wasser entfernt war, stellte sich Armin Boer zur Verfügung, sich in den 15 Meter tiefen Brunnen abseilen zu lassen. Mit Scheinwerfern wurde alles ausgeleuchtet, und mittels Sicherheitsrettungsgurt ging es dann in die Tiefe.

Neue Attraktion zur Wiedereröffnung

Brunnen im Gasthof Ley Irmgarteichen Dort entdeckte Armin Boer, dass am Grund des Brunnens weitere Gänge abzweigten, in den Fels in Dreieckform gehauen, etwa 1,50 Meter hoch und unten 3,50 bis vier Meter breit. „Es ist schon erstaunlich, wie die Menschen vor rund 350 Jahren einen 15 Meter tiefen Brunnen in den Fels geschlagen haben, kreisrund mit einem Durchmesser von etwas über 1,10 Meter", staunt Nachbar Georg Dombaj, stellvertretender Chef der Netphener Stadtfeuerwehr.

Bis kurz vor Mitternacht haben die Nachbarn und Freunde am Dienstag gearbeitet und Armin Boer an einer Rettungsleine gesichert. Der füllte Eimer voller Steine, und auch so manches verrostete Eisenteil kam zutage. In den nächsten Tagen läuft der Brunnen wieder mit Grundwasser voll. Im Gastraum wurde er zusätzlich noch einen Meter höher mit Naturbruchsteinen gemauert, erhält nun eine Beleuchtung und wird mit einer Spezialglasplatte abgedeckt. Wenn der Gasthof Ley im Sommer wieder öffnet, können die Besucher in den 15 Meter tiefen Brunnen schauen. 

Text und Bilder: J. Schade (http://www.derwesten.de/nachrichten/staedte/netphen/2009/4/1/news-116060211/detail.html#car)

Gasthof Ley: Unter dem Schankraum in 15 Meter Tiefe