28. Dezember 2005

Et is scho emmer so gewäse, um Drette Krestach wird vergeläse…
Peinlichkeiten mit Moral, Dorfzeitung und Jahresrückblick

Jährlich am Tag nach Weihnachten, dem sogenannten „Drette Krestach“ treffen sich die Junggesellen aus Irmgarteichen, um singend, erzählend und reimend durch den Ort zu laufen und die diesjährigen „Paragraphen“: Geschichten, Missgeschicke und Peinlichkeiten der Dorfbewohner in gereimter Form zu erzählen. Wer am vergangenen Dienstag den Spruch „Et is scho emmer so gewäse, um Drette Krestach wird vorgeläse, Schlachzeile on weldhistorische, Ereichnisse im Johr 2005“ vernommen hat, konnte sicher sein, die Hermedeicher Jonge getroffen zu haben. Diese teilten sich in mehrere Gruppen auf: Die einen trugen die Paragraphen an wichtigen Knotenpunkten (manchmal auch vor der Haustür der betroffenen Person) mithilfe eines Megafons vor. Einige verteilen die „Paragraphen“ im Ort, sammeln währenddessen Geld oder auch Wurst als Belohnung, die dann am Abend mit Kartoffelpüree und Sauerkraut verspeist wurde. Gleichzeitig schenken sie einen Schnaps aus – als Zeichen der Dankbarkeit.

Den Ursprung hat dieses Fest vor mehr als 50 Jahren: Damals, als fast jeder Ortsbewohner noch selbst schlachtete, wurden am Tag nach Weihnachten zum „Drette Krestach“ in „Hermedeiche“ vermehrt Würste gesammelt, die dann abends gemeinschaftlich verspeist wurden. Da die Zeit heute jedoch eine andere ist und viele Dorfbewohner die alte Tradition nicht mehr kennen, ist man auch mit Geld zufrieden, womit dann Wurst gekauft werden kann.
Ings. 8 „Schlachzeile on weldhistorische Ereichnisse“ der vergangen Monate wurden aufgeführt: Beispielsweise wurde der discoähnlich geschmückte Weihnachtsbaum auf dem Kirchplatz gemahnt oder über einen von einem Landwirt gut bewachten Wirtschaftsweg geschrieben. Auch der Bauprozess am neu errichteten Pfarrheim, das Verkehrschaos rund um die Kirche bei Messen und Fahranfänger, die ihr Auto an Laternen zerstörten gehörten zu den diesjährigen Themen. Und die Moral von der Geschicht’: Andre Fahrer ließen es sich eine Lehre sein, seither fuhr keiner mehr in die Laterne rein“.

Am Schluss ihres Paragraphen-Blattes bedankten sich die Junggesellen bei Klaus Irle, der ihr traditionelles Treiben am „Drette Krestach“ mit 50 l Freibier unterstützt. Auch Büdenbender Hausbau wurde für den ehrenamtlichen Druck des Werkes gedankt.

Ausklang war abends in Leys, zu dem auch die Mädchen eingeladen waren, um sich mit den Junggesellen zu vergnügen. Diese Tradition beweist auch ein alter Vers, der jedes Jahr mit abgedruckt wird: „Brengt Geld on vell goore Worscht herbie, on och ouw scherne on lewe Wieweslie. Da sin mer zerfrerre on os deret reiche, dät sin die Jonge fuu on zoo Hermedeiche!

von Christian Reuter

Drette Krestach 2005