14. Mai 2017 | Alles | Christian Reuter

Während der Bürgerversammlung brachten die Irmgarteichener Wünsche und Sorgen zum Ausdruck
Die Dorfgemeinschaft soll wieder mehr in den Fokus rücken.
Sos ■  Kindergärten, Schulen, schnelles Internet, die Gemeinschaft – all das sind Bereiche, die wohl in jedem Ort immer wieder Thema sind. So auch in Irmgarteichen, wo am Mittwoch eine Bürgerversammlung im Gasthof Ley stattfand. Rund 80 Menschen waren der Einladung von Ortsbürgermeister Gerhard Schmitt gefolgt und sprachen gut zwei Stunden lang über das, was sie in ihrem Ort bewegt.
Kindergarten: Der Kreis habe für Irmgarteichen, Hainchen und Werthenbach ab dem 1. August einen Bedarf von insgesamt sechs Gruppen festgestellt, erklärte Heike Büdenbender, Netphens Fachbereichsleiterin für Soziales und Schulen. Aktuell gebe es in Werthenbach drei Gruppen, in der Hainchener Grundschule sei eine weitere untergebracht. Deswegen soll in Irmgarteichen in der Nähe der kath. Kirche ein neuer, viergruppiger Kindergarten gebaut werden (die SZ berichtete). Ab der Inbetriebnahme soll Werthenbach zweizügig weiterlaufen; die Übergangslösung in der Grundschule fällt dann weg.
Noch verhandle der Träger, Katholische Kindertageseinrichtungen Siegerland-Südsauerland gem. GmbH (KITS GmbH), mit dem potenziellen Investor, so Büdenbender. Aber KITS sei optimistisch. Sobald dann der Bauantrag vorliege bzw. von den politischen Gremien genehmigt sei, könne mit dem Neubau begonnen werden. Einen genauen Termin konnte Büdenbender nicht angeben, aber sie rechne nicht damit, dass das Gebäude schon im kommenden Kindergartenjahr bezugsfähig sei. Bis auf Weiteres müsse der Kreis also für die fehlenden 1,5 Gruppen nach einer Lösung suchen. Er habe aber die definitive Zusage gegeben, dass alle Kinder zum 1. August versorgt seien. Diesbezüglich äußerten zwar etliche Irmgarteichener ihre Skepsis, doch im Moment bleibe ihnen nichts anderes übrig, als zu warten, so Büdenbender.
Grundschule: „Der Grundschulstandort Hainchen ist auch für die Zukunft gesichert“, stellte Heike Büdenbender fest. Die Schulkonferenzen hätten sich negativ zu einem Verbund der Johannlandschule mit der Grundschule Deuz geäußert. Laut neuester Prognosen zeichne sich ab, dass die „magische Grenze“ von 92 Schülern an der Hainchener Schule in den kommenden fünf Jahren leicht überschritten werde, sodass auch die Bezirksregierung Arnsberg die Notwendigkeit eines Verbundes aktuell wohl nicht sehe. Noch hätten die politischen Gremien zwar nichts entschieden, aber sie würden sicher nicht gegen das Urteil der Schulkonferenzen stimmen, prognostizierte die Fachbereichsleiterin.
Jubiläumsfeier: Im Jahr 2020 feiert Irmgarteichen sein 750-jähriges Bestehen. Schon im vergangenen Jahr habe das sogenannte Dorfparlament, ein Zusammenschluss unter anderem von Vereinsvorsitzenden und Kirchenvertretern, erste Ideen gesammelt, berichtete Ortsbürgermeister Gerhard Schmitt. Um diese Vorschläge umzusetzen, bedürfe es aber vieler helfender Hände, weswegen er zunächst abfragte, ob überhaupt die Bereitschaft bestehe, das Jubiläum zu feiern. Fast alle Irmgarteichener meldeten sich, sodass die Planung bald beginnen kann. „2020 ist nicht mehr lang“, betonte Schmitt.
Er hofft jetzt darauf, dass sich in den nächsten Tagen zehn bis zwölf Aktive finden, die die Dinge in die Hand nehmen: „Hier können wir beweisen, dass wir als Dorf funktionieren.“
Osterfeuer: „Warum fand das Osterfeuer nicht statt?“, fragte ein Irmgarteichener entrüstet, und wurde bei seinem Vorstoß von vielen nickenden Köpfen unterstützt. Daraufhin erklärte Gerhard Schmitt, dass bei den vergangenen Malen auch viel Müll abgeladen wurde, zum Beispiel Metallschrott. Deswegen wolle derjenige, der bislang sein Grundstück für das Feuer zur Verfügung gestellt hatte, dies nicht weiterhin tun. „Wenn jemand sein Grundstück zur Verfügung stellt, dann machen wir das im nächsten Jahr wieder“, sagte er. Zur Freude der Anwesenden erklärte sich ein Irmgarteichener dazu bereit. Dieser schlug vor, wie in früheren Zeiten auch den Gesangverein und die Musikkapelle zu involvieren. „Wenn wir die alten Traditionen erhalten, dann ist das gut für unsere Dorfgemeinschaft“, sagte er.
Breitband: In Sachen Breitbandausbau erläuterte Bürgermeister Paul Wagener, dass die Lücken nach und nach geschlossen würden. Bis Ende 2018 solle allen Haushalten dann eine Downloadgeschwindigkeit von mindestens 50 Mbit/s zur Verfügung stehen. Einige Irmgarteichener hegten diesbezüglich aber große Zweifel. „Bis 2018? Das wird eng. Wir versauern hier im Johannland“, so ein Bürger. Doch Marlene Krippendorf, Bereichsleiterin Stadtplanung, betonte, dass dies die Baustelle der Kanzlerin sei.
Stadtentwicklung: Wenn es bald nicht mehr Angebote für junge Familien gebe, dann werde Netphen zum Altenheim, fürchtete ein Bürger. Krippendorf erklärte daraufhin, dass die Stadt Netphen dabei sei, ein integriertes kommunales Entwicklungskonzept zu erarbeiten, um Förderungen für einzelne Projekte zu bekommen. „Die Ideen und der Impuls müssen aber von Ihnen kommen, von der Dorfgemeinschaft.“
Das Problem sei, dass viele junge Leute die Angebote, die es bereits gebe, nicht annehmen würden, meinte ein Irmgarteichener. Da könne die Stadt gar nichts für. „Wir müssen uns an die eigene Nase packen und zu den Veranstaltungen gehen.“ Und ein Bürger brachte es – wenn man nach dem Applaus der restlichen Irmgarteichener geht – wohl auf den Punkt: „Die, die alles immer nur negativ sehen, haben hier nichts zu suchen. Wir brauchen das Wir-Gefühl wieder!“
Quelle: Siegener Zeitung

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